7. Dezember 2021

Nachhaltige Quartiersentwicklung in München

Nachhaltigkeit ist Thema Nummer eins, nicht nur beim Bauen, sondern ebenso in der Stadtentwicklung. Auch in München. Lesen Sie, welche Punkte zur nachhaltigen Quartiersentwicklung gehören, warum sie wichtig ist und was speziell in München geplant ist.

Deutsche Städte wachsen und schaffen dafür neuen Wohnraum, dessen Bezahlbarkeit entscheidend zur Attraktivität neuer Viertel beiträgt. Die Dichte einer Großstadt sorgt für hohe ökologische Nachhaltigkeitseffekte, im Idealfall verfügt eine gut organisierte Stadt über kurze Wege und ein gut ausgelastetes Infrastruktursystem bei wenig Verkehr. Der hochwertige Einzelhandel sucht Gebiete mit hoher Kaufkraft. Das Angebot wird dadurch nach und nach vielseitiger, Biomärkte und Theater folgen. Synergieeffekte für die benachbarten Unternehmen entstehen aufgrund guter Erreichbarkeit.

Bild: beeing unsplash

Durch Initiativen wie Urban Gardening und Urban Beekeeping wird für die BewohnerInnen die Nähe zur Natur gewahrt. Die Einteilung der Stadt in kleinräumige Quartiere gestaltet den Lebensraum dörflicher, sicherer und sauberer. Nachbarschaften funktionieren, durch Fußgängerzonen und mit Fahrradverkehr werden sie ökologischer. Die Stadt München ist besonders aktiv im Bereich der Grünflächen- und Quartiersplanung. Ein aktuelles Projekt stellen wir hier vor:

Das Freiraumquartier in Münchens Altstadt

Die Vision, Münchens historische Innenstadt in eine autofreie Zone mit neuen Grün- und Freiräumen zu verwandeln, wird in Kooperation mit den BewohnerInnen, die ihre Wünsche bei Umfragen äußern können, schrittweise umgesetzt. „Autofrei“ meint dabei nicht, „verkehrsfreie Fußgängerzone“, sondern steht für ein effizientes Flächenmanagement. Ziel ist es, den Aufenthalt in der City so attraktiv und nachhaltig wie möglich zu gestalten. Planungsempfehlungen für Einzelprojekte entstehen mit Bezug auf Recherchen zum Stadtbild der Vergangenheit und unter Berücksichtigung einer Klimafunktionskarte. Um die CO2-Werte im Stadtzentrum zu verbessern, ist das Pflanzen von Bäumen eine wichtige Maßnahme. Wenn im Sommer die Temperaturen steigen, spenden sie Schatten und dienen so auch der Anpassung an den Klimawandel. Die Mobilitätswende bietet auch Chancen, Flächen neu zu nutzen. So könnten öffentliche Parkplätze für aktuell 2.000 Fahrzeuge in der Zukunft Gärten, Parks und Spielplätzen weichen, um Raum für Begegnungen zu schaffen. Dem Prinzip der doppelten Innenentwicklung folgend, sollen in Zukunft neben neuem Wohnraum auch immer Freiräume zur gemeinschaftlichen Nutzung bereitgestellt werden. Für die Pkw der Anwohner stehen Tiefgaragen zur Verfügung, um den Nahverkehr auf Fußgänger und Radfahrer zu beschränken.

Die Sonnenstraße im Zentrum Münchens gilt als Beispiel für moderne Stadtplanung mit Blick auf die Historie eines Viertels: Von Gartengestalter Friedrich Ludwig von Sckell 1812 als Boulevard mit üppigen Grünflächen geplant, wurde die mehrreihige Allee in den letzten Jahrzehnten zugunsten des Verkehrs mehrfach zurückgebaut. Hier ist eine Renaissance des ursprünglichen Entwurfs im Gespräch – wieder hin zu mehr Baumbestand.

Bild: pexels – pixabay

Im Stadtteil Lehel setzte man einen derartigen Rückbau in mehreren Straßen bereits erfolgreich um. Bis zum Jahr 2040 soll die Münchener Innenstadt multifunktionaler strukturiert sein – mit zukunftsweisenden Freizeitmöglichkeiten, die nicht – wie heute – an Konsum gekoppelt sind.

Mixed-use-Stadtquartiere liegen im Trend

Der Trend geht zu lebendigen Quartieren, in denen Arbeiten, Wohnen und Leben nebeneinander existieren. Eine älter werdende Gesellschaft ist hier zu berücksichtigen. Vertical Villages siedeln heute Supermarkt, Büro und Wohnung im gleichen Gebäude an – über wenige Stockwerke getrennt. Vernetzte Technologien für Carsharing oder E-Mobility erfordern ein Umdenken bei der Nutzung urbaner Räume. Der Umbau der Infrastruktur gilt als Herausforderung, die Digitalisierung ermöglicht Architekten den Zugang zu virtuellen 3D-Stadtmodellen, um Planungen im geographischen Kontext zu erleichtern.

Wie sich Konflikte in Mixed-use-Stadtquartieren vermeiden lassen, beschreibt das Umweltbundesamt in Fallstudien. Ein zentrales Thema bei der Planung urbaner Blöcke ist der Lärmschutz. Dafür betrachtet man Verkehrs- und Gewerbelärm, Freizeit- und Sportlärm sowie Gastronomielärm. Eine Angleichung der Immissionsrichtwerte für die unterschiedlichen Gebietstypen wäre hilfreich, um die Nutzungsmöglichkeiten zu flexibilisieren. Dann könnte in Zukunft zum Beispiel gewerblich genutzte Fläche in Wohnraum umgewandelt werden.

Weltweit lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Städten, in Europa sind es sogar rund drei Viertel – Tendenz steigend. Die Suche nach Arbeit, das vielfältige Bildungs- und Kulturangebot und die hohe Lebensqualität gelten als Gründe für diese Entwicklung. Mit der Leipzig Charta hatten sich die EU-Mitgliedstaaten im Jahr 2007 verpflichtet, sich für eine nachhaltige und integrierte Stadtentwicklung einzusetzen. Ende 2020 wurde „The New Leipzig Charta“ verabschiedet. Sie beschreibt das Ziel, die Stadt gerechtgrün und produktiv zu gestalten. 

München wird Projektpartner von „JUST Nature“

Die aktive Umsetzung nachhaltiger Städteplanung fördert die Europäische Kommission derzeit im Rahmen des Projekts „JUST Nature – Activation of nature-based solutions for a just low carbon transition“ mit Fördergeldern von rund 10 Millionen Euro. Zu den zwanzig ausgesuchten Projektpartnern aus zehn Ländern gehört München mit einem Budget von 648.600 Euro – neben fünf weiteren deutschen Städten. Alle Teilnehmer studieren über vier Jahre die Auswirkungen von grünen Lösungen in „City Practice Labs“. Die Stadt München möchte diese Gelegenheit nutzen und mit Blick auf die Weiterentwicklung des Freiraumquartierskonzepts Pilotprojekte wie „Das grüne Zimmer“, eine mobile bepflanzte Wand, sowie „Sommerstraßen“ und „Parklets“ voranbringen, um herauszufinden, welche Begrünungsszenarien positive Auswirkungen auf Einwohner und Klima gleichermaßen zeigen. Durch den wissenschaftlichen Erfahrungsaustausch mit den Partnerstädten in Deutschland, Belgien, Italien, Griechenland, Ungarn und Malta werden weitere nützliche Erkenntnisse gewonnen.

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Städte nehmen bis heute nur zwei Prozent der globalen Gesamtfläche ein. Um trotz zunehmender vertikaler Verdichtung eine lebenswerte Umgebung zu schaffen, sind Baumbestand und Fassaden- oder Dachbepflanzungen hilfreiche Maßnahmen. Die grüne Infrastruktur in Städten sorgt für das physische, psychologische und emotionale Wohlbefinden der Bewohner. Urbane Parks und Gärten dienen als Lebensraum für Pflanzen und Tiere, sie mindern Schadstoffe in der Luft und reduzieren den Lärmpegel. „Grüne Städte“ erreichen in Städterankings beste Platzierungen, sie bedeuten Lebensqualität durch ihren hohen Freizeitwert. Durch das Einbinden der BürgerInnen in die Gestaltung und Pflege von Grünflächen können die Kosten dafür gesenkt werden. Das Baugesetzbuch (BauGB) liefert seit langem die Rechtsgrundlage für die demokratische Planung, die BewohnerInnen von Großstädten zu aktiven MitgestalterInnen werden lässt.

Bereits seit 1977 unterstützt die Stadt München BürgerInnen bei der Neugestaltung ihres Grund- oder Immobilienbesitzes mit Fördergeldern, die für die Begrünung von Dächern, Fassaden und Innenhöfen oder das Anlegen von Spielwiesen, Sitzecken und Pflanzbeeten bereitstehen. Auch wer einen asphaltierten Bodenbelag durch einen wasserdurchlässigen ersetzt, kann dafür Zuschüsse beantragen und senkt so gleichzeitig die Niederschlagswassergebühren. Lebensräume für Tiere und Pflanzen werden gesichert, wenn Regen direkt im Boden versickern kann. Mit dem Wettbewerb „Mehr Grün für München“ würdigt die Stadt gelungene Projekte mit Geldpreisen.

Bild: BHB Unternehmensgruppe

Auch bei der Gestaltung neuer Wohnquartiere sind nachhaltige Elemente wie Urban Gardening, vielfältige Begrünung, zum Teil auch auf den Dächern, und energieeffiziente Beheizung stark nachgefragt. Nicht selten hängt davon ein Großteil der Akzeptanz eines Projektes bei den späteren Käufern ab. Ein Beispiel für ein Neubauprojekt, bei dem Nachhaltigkeit im Fokus steht, ist BEE FREE Freising. Die Eigentumswohnungen, Apartments und Studentenapartments bieten neben einer gehobenen Ausstattung unter anderem auch ein einzigartiges Urban Gardening-Konzept, einen großen Garten mit Obstbäumen und ein „Goldenes Dacherl“ mit Bienenvölkern.

Mehr dazu lesen Sie hier:

Finden Sie Ihr Neubauprojekt in München und der Region auf dem neubau kompass.

Text: Birgit Unger

Titelbild: pexels/ Anastasia Shuraleva