30. Oktober 2021

CO2-Abdruck von Immobilien reduzieren – im Gespräch mit Dr. Jörg Kruhl, CMO bei der Ampeers Energy GmbH

In Deutschland ist der Gebäudesektor für etwa ein Drittel des CO2-Ausstoßes verantwortlich, weshalb nachhaltiges Bauen und der Einsatz von erneuerbaren Energien unabdingbar sind. Das Start-up Ampeers Energy hat diese Notwendigkeit erkannt und offeriert Software-basierte Dienstleistungen, um ganze Quartiere smart und energieeffizient zu betreiben. Wir sprachen mit Dr. Jörg Kruhl, CMO bei Ampeers Energy.

Im Interview mit neubau kompass: Dr. Jörg Kruhl von Ampeers Energy.

neubau kompass: Mit den Dienstleistungen von Ampeers Energy lässt sich der CO2-Fußabdruck von Immobilien reduzieren. Wie genau funktioniert das?

Dr. Jörg Kruhl: Wir ermöglichen, dass die Potentiale, die sich aus der Realisierung von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz in Liegenschaften ergeben, profitabel genutzt werden können. Denn um CO2 einzusparen, muss im Immobiliensektor ein Wandel zu mehr dezentral optimierten und CO2-armen Technologien erfolgen. Das heißt, dass Photovoltaik, Wärmepumpen, Geothermie, aber auch E-Mobilität eine immer größere Rolle spielen werden.

Die große Herausforderung dabei ist es, diese sektorenübergreifenden Lösungen nicht individuell zu planen und zu betreiben, sondern als Gesamtsystem auszulegen und optimiert zu betreiben. So kann z.B. die überschüssige Energie einer PV-Anlage in die Wärmeversorgung fließen oder in die Batterie von E-Fahrzeugen. Zukünftig ist auch die verstärkte Zwischenspeicherung in Batterien oder Wasserstoff zu erwarten. Das System wird dann in etwa stündlicher Auflösung immer auf die konkreten Verhältnisse abgestimmt.

Unsere Lösungen ermöglichen das und zielen insbesondere darauf ab, dass ein maximaler Anteil preiswert und CO2-arm erzeugter Energien in der Liegenschaft genutzt werden und dass die Maximalleistung des Energiebezugs in Grenzen gehalten wird, um hohe Anschlusskosten oder gar Restriktionen zu umgehen. Damit wird nämlich auch eine Kostenreduktion erreicht, die die CO2-Minderung von der Belastung zu einem Business Case werden lässt!

In einem Smart-Quartier fließt überschüssige Energie einer PV-Anlage z.B. in die Batterie von E-Fahrzeugen. (Bild: Kindel Media – Pexels)

Welche Software-Lösungen umfasst das Portfolio von Ampeers Energy und an wen richten sich diese?

Unsere Software richtet sich an die Eigentümer und insbesondere Betreiber von Immobilien, Quartieren und Liegenschaften. Diese sind einem hohen Druck ausgesetzt, die hohen Minderungsziele des Immobiliensektors umzusetzen. Die aktuelle politische Entwicklung auf EU- und nationaler Ebene bedeutet für die Branche, dass eine weitere Verzögerung oder Umsetzung halbherziger Maßnahmen sehr kostspielig wird. Wir befähigen die Betreiber von Immobilien dazu, die lokale Energieversorgung und Energievermarktung eigenständig umzusetzen und so neben der Zielerfüllung auch noch attraktive Business Cases für ihr Klimaschutzinvestment zu erreichen.

Der „AE District Manager“ als Cloud-basierte Management-Software übernimmt automatisch die Rolle der kontinuierlichen Einsatzsteuerung der lokalen Energieanlagen. Die Abrechnung von Energiemengen, z.B. an die Mieter eines Gebäudes, die jetzt Energiekunden der Immobilienwirtschaft werden, kann ebenfalls weitestgehend automatisiert mit dem „AE Local Supplier“ erfolgen.

Natürlich ist es aber so, dass Immobilienbesitzer häufig vor der Frage stehen, wie ein CO2-armes Energiekonzept eigentlich konkret für sie aussehen muss, und wie hoch die Rendite der Modernisierung oder eines Neubaus wirklich ist. Hierzu bieten wir eine weitere Lösung, den sogenannten „AE Business Simulator“. Mit diesem Modellierungstool ist es möglich, ein Konzept schon im Vorfeld technisch und wirtschaftlich zu simulieren. So bekommen Entscheider einen sehr robusten Business Case und alle technischen Details des für sie optimalen Energiesystems, mit allen Auslegungsgrößen und wirtschaftlichen und ökologischen Kennzahlen.

Worin liegt der Unterschied zu anderen Angeboten auf dem Markt?

Die Lösungen von Ampeers Energy zeichnen sich dadurch aus, dass sie in zwei Dimensionen die ganzheitliche Optimierung ermöglichen. Zum einen betrachten wir alle Energiearten, von Strom, über erneuerbare Energien, Wärme bis zu E-Mobilität oder gar Wasserstoff. Diese Querverbindungen mit den technischen Optimierungspotentiale zu errechnen und in „real time“ in die Anlagensteuerung zu übersetzen, können nur sehr wenige Unternehmen.

Zum anderen steht bei Ampeers Energy aber nicht nur das Management der technischen Komplexität im Fokus. Die Optimierung erfolgt anhand sämtlicher energiewirtschaftlicher Daten, wie Preisen für Energieträger, Einspeisevergütungen, Förderungen etc. Damit wird erst der Business Case möglich. Diese beiden Besonderheiten haben wir in nahezu vollautomatisierten Lösungen verpackt, die die Immobilienwirtschaft selbständig umsetzen kann. Als so starker „Enabler“ des Sektors für eine profitable Umsetzung der Klimaziele glauben wir, der mit Abstand stärkste Partner im Markt zu sein.

Die Dienstleistungen von Ampeers Energy setzten den Fokus auf sektorenübergreifendes Energiemanagement. (Bild: Ampeers Energy)

Lässt sich die Software gleichermaßen in Neu- wie in Bestandsbauten implementieren?

Neubauprojekte sind mit den beschriebenen Lösungen methodisch genauso umsetzbar wie Bestandsbauten. Ein Vorteil liegt im Neubau darin, dass der Wärmebedarf insgesamt und auch die benötigte Vorlauftemperatur hier bereits vergleichsweise niedrig sind, so dass z.B. Solarenergie einen noch höheren Anteil des Energiebedarfs decken kann. Ebenso ist PV bereits bei der Architektur sehr gut zu berücksichtigen. Mit der erwartbaren PV-Pflicht im Neubau ist dann die lokale Integration und übergreifende Planung von Strom- und Wärmesystem alternativlos.

Bei welchen Neubauprojekten ist die Software bereits im Einsatz und welche Projekte sind in Planung?

Wir können nicht über alle Kundenprojekte sprechen, weil viele Unternehmen – ob Wohnungswirtschaft oder Logistikkonzern – gerade mit uns beginnen ihr Portfolio anzugehen und dabei ihren zeitlichen Vorsprung nutzen wollen und nicht so offen kommunizieren. Aktuell ist bei uns ein Übergewicht an Modernisierungen im Bestand vorhanden. Einige Beispiele sind auf der Website zu sehen: https://ampeersenergy.de/magazin/.

Das wohl größte und prominenteste Vorhaben ist das Quartier „Village im Dritten“, in dem eine nachhaltige und wirtschaftliche Versorgung konsequent geplant und umgesetzt wird. Hier war unser „Business Simulator“ ein Schlüssel zur Konzeptentwicklung und der „District Manager“ wird die intelligente, prognosebasierte Steuerung des Stadtteils übernehmen.

Nachhaltiges Smart-Quartier „Village im Dritten“ in Wien. (Bild: villageimdritten.at)

Für einen großen Logistikkonzern haben wir bereits zwei sehr große Neubauzentren komplett als elektrische Versorgung konzipiert. Es handelt sich dabei um die Integration von jeweils mehr als 10 MW Photovoltaik. Auch Stadtwerke, die Areale von n x 100 Wohneinheiten planen, gehören dazu oder solche mit Neubausiedlungen mit rund 30 Einzel- und Doppelhäusern, die als lokale Energiegemeinschaft geplant werden.

Wir sind offen gesagt, überrascht, dass viele Neubauten überhaupt nicht das Potential lokaler Energieoptimierung nutzen und damit den Wert des Assets langfristig nicht optimieren. Wir gehen davon aus, dass sich ab dem kommenden Jahr ein regelrechter „Run“ auf zukunftsfähige Energiekonzepte und deren Betrieb ergibt. Gerne möchten wir schon jetzt interessierte Projektentwickler und Betreiber unterstützen.

neubau kompass: Herr Dr. Jörg Kruhl, wir danken für das Gespräch.

Finden Sie Ihr Neubauprojekt auf dem neubau kompass

Titelbild: Drees & Sommer SE

Interview: Janek Müller