10. August 2020

Eggarten-Siedlung: ein tragfähiges Wohnmodell für München

Die Eigentümer der Eggarten-Siedlung, CA Immo und Büschl Unternehmensgruppe, hatten einen städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerb für die Neugestaltung der Eggarten-Siedlung nahe dem Lerchenauer See in Feldmoching ausgerufen – und 14 Teilnehmer reichten Ende Februar 2020 ihre Visionen zum neuen Wohnquartier im Münchner Norden ein. Am 17. Juli hat die Fachjury unter Leitung des Architekten und Stadtplaners Prof. Markus Allmann den Siegerentwurf gekürt: Er stammt vom Büro Studio Wessendorf und der Atelier Loidl Landschaftsarchitekten GmbH – beide Planungsteams kommen aus Berlin. Wir geben Ihnen schon einmal einen ersten Überblick darüber, wie das Eggarten-Quartier nach den Plänen des Siegerteams aussehen wird.

Die beiden Grundstückseigentümer, CA Immo und Büschl Unternehmensgruppe, hatten eine große Leitlinie gesetzt: Der Eggarten soll zu einem zukunftsweisenden und nachhaltigen Modellquartier für genossenschaftlichen Wohnungsbau, Mobilität, Energie und Klimaschutz werden. Es galt, mit zukunftsweisenden, mutigen Konzepten die Gegebenheiten des Areals und seine vorhandenen Strukturen in die Zukunft zu tragen sowie Vielfalt, Dichte und hohe Freiraumqualität an diesem Ort in Einklang zu bringen.

Der Siegerentwurf: grün, zukunftsweisend, bewahrend

Die Pläne der 1. Preisträger zeigen so auch Gebäude, die sich verzahnen und von kleinen, baumüberstandenen Plätzen flankiert werden. Der vorhandene Baumbestand und diverse Bestandsgebäude sollen möglichst erhalten werden, darum wurde die rechtwinklige, historisch gewachsene Grundstruktur der alten Eggärten sinnfällig aufgegriffen und in ein vielseitiges Quartier mit viel Grün übersetzt. Drei Quartiersgaragen am Rand des Quartiers halten das Areal autofrei, so dass die hohe Aufenthaltsqualität der vielen kleinteiligen, lebendigen Quartiersplätze gewahrt wird und um ein Stück Sicherheit erweitert wird. Das Quartier wird Platz für 1750 bis 2000 Wohnungen und rund 5000 Bewohner bieten. Mit dem Wettbewerbsentwurf ist der Grundstein für die Gestaltung des Bebauungsplans gelegt. Bis dieser abgesegnet ist, wird es wohl noch einige Zeit dauern. Die Bauherren rechnen für das Jahr 2023 mit seiner Verabschiedung. Dann könnten, wenn die Arbeiten an den drei Bauabschnitten termingerecht starten können, im Jahr 2025 die ersten Bewohner das Quartier beziehen. Neben dem dringend benötigten Wohnraum werden dort unter anderem Kitas, eine Grundschule, Sportanlagen und verschiedene Einkaufsmöglichkeiten entstehen. Ein Quartier, das nicht nur für sich selbst sorgt, sondern auch der Nachbarschaft einen Mehrwert bietet.

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So sehen die Planer von Studio Wessendorf das Eggarten-Quartier: grüne Strukturen. Bildquelle: eggarten_erster preisträger_studio wessendorf_modell 1/Eggarten Projektentwicklung GmbH & Co. KG

Die Eggarten-Siedlung soll zudem auch in energetischer Hinsicht Modellcharakter erhalten: mit einer klimaschonenden Energieversorgung, einem hohen Anteil erneuerbarer Energien, Architektur, die viel Grün integriert, und einem energieeffizienten Gebäudestandard. Ein zeitgemäßes Mobilitätskonzept soll helfen, den ökologischen Fußabdruck des neuen Quartiers positiv zu gestalten: Kurze Wege im Quartier sind das eine, eine gute ÖPNV-Anbindung und Sharing-Angebote sollen den Verzicht aufs eigene Auto leicht machen. Das Umsatteln aufs Rad wird hier auch kein Problem sein.

Sozial gerechte Verteilung des Wohnraums – freier Markt trifft Genossenschaft

Modellcharakter hat das neue Wohnquartier nicht nur hinsichtlich seines hohen städtebaulichen und landschaftsplanerischen Anspruchs. Auch die Bereiche Mobilität, Energie und Klimaschutz werden hier zu zukunftsweisenden Konzepten gefasst. Dazu kommt der Fokus auf das soziale Miteinander und eine für die Münchner Region geradezu bahnbrechende langfristige Preisregulierung: Wenn die Stadt ein Baurecht für 2000 Wohnungen schafft, werden 50 Prozent der Wohnungen an die Genossenschaftliche Immobilienagentur (GIMA München eG) fallen, bei 1750 genehmigten Wohnungen immerhin 750. Die GIMA ist ein Zusammenschluss aus aktuell 32 Münchner Wohnungsgenossenschaften und gemeinnütziger Wohnungs(bau)unternehmen. Ihre Mitglieder werden diese Wohnungen preisgedämpft und mit einer Preisbindung von 40 bis 60 Jahren als Mietwohnungen anbieten, während die anderen 50 bzw. 57 Prozent der Wohnungen von den beiden Eigentümern vermarktet werden. Zum Vergleich: Die Stadt München sieht nach den Regeln der Sozialgerechten Bodennutzung (Sobon) 40 Prozent an geförderten und preisregulierten Wohnungen vor. Mit dem Eggarten-Quartier entsteht in München das größte genossenschaftliche Wohnquartier seit dem 2. Weltkrieg. Über die 50:50 Regelung kommt hier ein sozialer Gedanke zum Tragen, der in München und in diesem Umfang bei privaten Entwicklern erstmalig realisiert wird. Auch an der Quartiersvernetzung und am Mobilitätskonzept werden sich alle drei Partner beteiligen. Christian Stupka, Vorstand der GIMA München eG erklärt so auch: „Ziel ist ein vernetztes, sozial intaktes Quartier der kurzen Wege, das aus sich selbst heraus funktioniert, in gelebter Nachbarschaft zur Umgebung.“

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Kleinteilig, mit ineinander verzahnten Gebäuden und unter Schutz der Bestandsbäume – so beplant das Team aus Stadtplanern, Architekten und Landschaftsplanern das Eggarten-Quartier. Bildquelle: Wettbewerb Eggarten-Siedlung – CA Immo Büschl 1. Platz-Studio-Wessendorf-Atelier-Loidl/Eggarten Projektentwicklung GmbH & Co. KG

Auch kritische Stimmen

Das geplante Eggarten-Quartier hat in den letzten Monaten viel Gegenwind erfahren. Denn wo Neues entsteht, muss oft Altes und Liebgewonnenes weichen. So blickt nicht nur die Nachbarschaft besorgt auf das Projekt. Ganz klar: Rund 5000 neue Einwohner stellt die bestehende Infrastruktur vor neue Herausforderungen. Da ist es gut, dass das Eggarten-Quartier Kitas, Grundschule und Sportmöglichkeiten schaffen wird.

Auch die Nutzer der alten Kleingartensiedlung versuchen bis heute, sich gegen die neuen Pläne zu wehren. Die architektonische Gestaltung des Areals selbst ist dabei weniger das Thema. Vielmehr geht es vielen Kritikern und Gegnern des neuen Wohnbauprojekts darum, dass die Kleingärten in ihren Augen so schützenswert sind, dass die Aussicht auf neuen Wohnraum nicht höher wiegen sollte als die Bewahrung der kleinen Stadtoasen. Ihre Erfolgsaussichten, das Projekt zu stoppen, sind gering. Denn Wohnraum in München ist gefragt wie nie. Der Eggarten wird künftig ein Lebensmittelpunkt vieler Menschen sein: Wohnraum, Grünfläche und Ort der Begegnung und Nahversorgung. Nun sind wir bei neubau kompass sehr gespannt, welche Nutzung die Wohnungen, die für den freien Markt gedacht sind, erfahren werden: Mietwohnung oder Eigentumswohnung? Eins ist sicher: Neubau-Immobilien sind in dieser Region in jeder Variante heiß begehrt. Der Eggarten ist für uns bereits jetzt ein Erfolgsmodell.

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Bildquelle: ISARIA Wohnbau AG

In Allach entstehen auf dem ehemaligen Diamalgelände gerade rund 750 Neubauwohnungen. Natürlich hat auch neubau kompass Kaufobjekte auf seiner Seite: das Projekt Diamaltpark der ISARIA Wohnbau AG.

Wir werden für Sie die Entwicklung des Quartiers weiterverfolgen. Im Norden und Westen Münchens entstehen gerade mehrere große Wohnquartiere, darunter das neue Kirschquartier in Allach. Darüber haben wir in unserem Blog bereits berichtet. Bleiben Sie mit uns dran! Neubauprojekte in München sind immer ein spannendes Thema. Ihr Team von neubau kompass

Bildquelle Titelbild: büro wessendorf Perspektive Eggartenplatz/ Eggarten Projektentwicklung GmbH & Co. KG