19. Juni 2020

Stadt im Wandel: 600 Neubauwohnungen auf ehemaligem Viehhofgelände

Auf dem ehemaligen Viehhofgelände, einem rund 7 Hektar großen Areal in der Münchner Isarvorstadt, werden in den nächsten Jahren rund 600 neue Wohnungen entstehen. Das innerstädtische Quartier im beliebten Schlachthofviertel erhält außerdem neue Läden, einen Gewerbehof und Kultureinrichtungen – unter anderem wird das aktuell in der Brienner Straße beheimatete Volkstheater ab 2021 eine neue Bleibe auf dem früheren Viehhofareal finden. Allerdings gibt es noch einige Stolpersteine aus dem Weg zu räumen, ehe Münchens neues Stadt-Quartier Gestalt annimmt. Lesen Sie, wie die Pläne aussehen und welche Schritte als nächstes am Viehhof anstehen.

Das Planungsgebiet befindet sich zwischen der Zenetti-, Tumblinger- und Thalkirchner Straße. Die Gegend ist bei zahlreichen Münchnerinnen und Münchnern beliebt, hat sich die Stadt hier doch etwas vom besonderen Flair bewahrt. Zudem finden sich hier Relikte der raren Münchner Subkultur. Der Bahnwärter Thiel zum Beispiel, das Wirtshaus am Schlachthof mit seinem bunten Programm und nicht zu vergessen die Graffitiwände. Für die einen absolutes Ärgernis, für die anderen ein Highlight auf so mancher Münchner Stadtführung. Hier ein neues Stadt-Quartier zu etablieren, ist also nicht leicht. Es gilt, den Charme des Viertels zu bewahren und zugleich (bezahlbaren) Wohnraum zu schaffen. Der im vergangenen Jahr beschlossene Masterplan sieht vor, die zum Teil denkmalgeschützten Gebäude in die neuen Pläne zu integrieren.

Masterplan liegt vor

Den Anfang zur Neugestaltung hat der Neubau des Volkstheaters gemacht. Das alte Haus, noch in einer ehemaligen Turnhalle in der Brienner Straße beheimatet, platzt aus allen Nähten. Jetzt sehnt man bereits den Herbst 2021 herbei, wenn der vom Stuttgarter Architekturbüro Lederer Ragnarsdóttir Oei gestaltete Neubau in der Tumblingerstraße Quartier beziehen wird.

Visualisierung des neuen Volkstheaters in der Tumblingerstraße. Bild: LRO Architekten

Für die neuen Wohnungen, Gewerbe- und sozialen Einrichtungen hingegen wird die Bezugsfertigkeit noch einige Jahre dauern. Vorerst muss im Rahmen des Masterplans das komplette Gelände neu geordnet werden. Eindeutiger Pluspunkt in Hinsicht auf bezahlbaren Wohnraum ist, dass das gesamte Gelände der Stadt gehört. Deshalb werden Genossenschaften bei der Grundstücksvergabe aller Voraussicht nach stärker berücksichtigt, als dies bislang oft der Fall ist. Auch die Höhe der Gebäude steht bereits grob fest: bis auf zwei Ausnahmen mit acht Etagen sollen die Mehrfamilienhäuser sechs Geschosse bekommen.

Masterplan Entwurf. Bild: LHM Stadt München

Ein Ziel innerhalb des Mobilitätskonzepts besteht darin, das Areal weitestgehend autofrei zu gestalten. Anwohner und Besucher haben die Möglichkeit, den PKW in Tiefgaragen abzustellen, es wird im Gegensatz zu „richtigen Straßen“ umso mehr Fuß- und Radverbindungen auf dem Gelände geben. Der Autoverkehr soll bis auf notwendige Fahrzeuge wie Feuerwehr-, Kranken- und Speditionswagen so gering wie möglich gehalten werden. Auf den ersten Blick fallen im Masterplan des Weiteren die Grünflächen und Spielplätze auf, welche ins Areal integriert werden. Auch quartierseigene Kitas wird es geben.

Die nächsten Schritte auf dem Viehhofgelände

Bis es so weit ist und mit dem Bau begonnen werden kann, stehen noch einige Schritte an. Für die exakte Festlegung des Bebauungsplans müssen die in Frage kommenden Flächen zur Verfügung stehen. Hier liegt ein Knackpunkt. Medienberichten zufolge stört etwa eine LKW-Waschanlage auf dem künftigen Wohn-Areal massiv die konkrete Fixierung von Bebauungsplänen. Derzeit ist das Planungsreferat der Stadt München damit beschäftigt, die Vergabe der Grundstücke vorzubereiten. Der Fokus liegt hier definitiv auf preisverträglichem Mietwohnungs- und Genossenschaftsbau. Nur rund 40 Prozent der Gesamtfläche des Wohnareals entfällt auf Investoren und Bauträger im konzeptionellen Wohnungsbau. Auch wird es im Rahmen von Bürgerversammlungen Mitgestaltungsmöglichkeiten geben.

Subkultur in München auf dem Viehhofgelände: Bahnwärter Thiel. Bild: muenchen.de

Baustart in 2025?

Bis das alles so weit ist und der Bebauungsplan diskutiert wird, muss jedoch unter anderem eine Lösung für die noch im Wege stehende Waschanlage gefunden werden. Vertreter der Stadt geben sich einem Artikel der Süddeutschen Zeitung zufolge jedoch zuversichtlich, dass baldmöglichst Bewegung in die festgefahrene Situation kommen wird. Was den Baustart betrifft, so lautet die realistische Prognose, dass frühestens 2024, wahrscheinlich aber auch erst 2025 mit den Bauarbeiten begonnen werden kann. Zu umfangreich sind die Planungen, als dass man sich „Schnellschüsse“ erlauben kann, so die Stadtverwaltung.

Für das Gelände um den ehemaligen Schlachthof, 1878 von Arnold Zenetti errichtet, beginnt mit der Etablierung des neuen Quartiers, vermutlich ab Ende dieses Jahrzehnts eine neue Ära. Wo einst Lebendvieh gehandelt wurde, wird ein gemischt genutztes Stadtviertel entstehen. Damit ist auch dieses Areal ein Stück Zeitgeschichte in einem sich rasant verändernden München.

Ein Stück erlebbare Wohnkultur entsteht derzeit im kulturellen Herzen der Stadt mit dem Kernsanierungsobjekt „The No. 35“.

Kernsanierungsprojekt gegenüber dem Museum Brandhorst: The No. 35. Bild: KL Gruppe

Bis Ende 2020 sind die 29 exklusiven Eigentumswohnungen fertig zum Bezug.

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Titelbild: muenchen.de/Stadtplanungsamt