Stadt oder (Um-)Land?

Ja, das möchste: Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse, vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße; mit schöner Aussicht, ländlich-mondän, vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn – aber abends zum Kino hast dus nicht weit. (….) – Kurt Tucholsky, (1890-1935)

Schon Tucholsky hat in diesem Gedicht (Das Ideal von 1927) den Wunschtraum aller Immobilien-Suchenden auf den Punkt gebracht: die große Villa im Grünen, mitten in der Stadt gelegen!

In der Realität muss man sich entscheiden: Stadt oder Land? City-Wohnung oder ein Haus im Grünen? Der Trend auf dem Immobilien-Markt ist eindeutig und heißt: zurück in die Stadt! Tendenziell verlieren die Immobilien auf dem Land eher an Wert, wohingegen Top-City-Lagen wie das Lehel, Haidhausen, Herzogpark, Glockenbach und Maxvorstadt stetig an Wert zulegen können. Ein „Opfer“ dieses Trends ist zum Beispiel der Münchener Vorort Grünwald – jahrzehntelang der Inbegriff von gediegenem Wohnen und hohen Immobilienpreisen. Doch Grünwald hat die besten Zeiten wohl hinter sich. So warten hier zur Zeit mehr als 140 Objekte (meist größere Villenanwesen) auf Käufer und die Preisvorstellungen der bisherigen Eigentümer sind in den allermeisten Fällen am Markt nicht mehr durchsetzbar.

Doch daraus zu folgern, dass „Stadt“ immer besser ist als „Land“, wäre zu kurz gegriffen. Es hängt wohl im wesentlichen von der persönlichen Lebensumständen ab. So wird sich ein kinderloses Unternehmensberater-Ehepaar sicherlich in einer schicken Dachgeschoss-Wohnung in Top-City-Lage mit kurzen Wegen zu Bahnhof und Flughafen wohler füllen als irgendwo draußen im Umland. Dieselbe Immobilie kann aber für die 4-köpfige Familie mit Aupair-Mädchen und Hund schnell eine Zumutung werden.

Argumente für eine Immobilie in der Stadt:

  • kurze Weg zum Arbeitsplatz, zur Schule und Kindergarten
  • kurze Wege in der Freizeit (Einkaufen, Kino, Theater, Sport)
  • geringere Mobilitätskosten durch kürzere Wege, vor allem durch Verzicht auf Autofahrten, Verzicht auf Zweitwagen (steigende Mineralölpreise werden die Kosten für Mobilität weiter erhöhen)
  • kaum mehr steuerliche Vorteile für Pendler (z.B. Kürzung der Pendlerpauschale, steuerliche Beschränkungen bei Dienstfahrzeugen)
  • gut ausgebautes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus, Bahn)
  • Kinder sind „mobiler“: Eltern werden nicht zum „Taxi-Dienst“ für ihre Kinder
  • bessere Verfügbarkeit von haushaltnahen Dienstleistern (z.B. Babysitter, Putzfrau, Pflegedienst).
    optimale Verfügbarkeit von Breitband-Internet, Mobilfunknetzen und Kabel-Fernsehen
  • einfacherer und schnellerer Wiederverkauf / Wertstabilität und Chance auf Wertsteigerung der Immobilie

Argumente für eine Immobilie im Umland/auf dem Land

  • günstigerer Preis bzw. mehr Wohnfläche „für´s gleiche Geld“
  • mehr Raum, mehr Platz, mehr Freiheit, mehr Natur, da keine „verdichtete“ Bebauung
  • höherer Erhohlungswert , bessere Entspannung vom Joballtag
  • bessere Parkplatz-Situation: keine all-abendliche Parkplatzsuche, kein mühsames Rangieren in engen Tiefgaragen mit Duplexparken
  • gesundheitliche Vorteile: kein Feinstaub, saubere Luft, weniger Lärm, weniger elektromagnetische Strahlung
  • mehr Möglichkeiten für Outdoor-Sport direkt vor der eigenen Türe, z.B. Joggen auf Waldwegen, Wandern, Mountainbiking
  • weniger Anonymität: höheres Gemeinschaftsgefühl, intensiverer Kontakt zu Nachbarn
  • weniger Kriminalität, da keine sozialen Brennpunkte und damit weniger Gefahren für Kinder
  • Kinder können mehr (unbeaufsichtigte) Freizeit „draußen“ verbringen
  • Haustiere (Hunde, Katzen) fühlen sich auf dem Land wohler