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Artikel aus der Kategorie ‘küche’

Grundrisse: Zukunft des Wohnens

Die Welt verändert sich – und auch die Art und Weise wie wir wohnen ist über die Jahrzehnte zwar einen langsamen, aber dennoch stetigem Wandel unterworfen. Auffälligste Veränderung ist der sog. Flächenbedarf pro Person. So standen 1950 jedem Einwohner nur 25 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung, heute ist diese Zahl auf 43 gestiegen und Prognosen gehen davon, dass in den nächsten 10 Jahren die durchschnittliche Wohnfläche pro Einwohner auf 50 Quadratmeter steigen wird.

Mit der zunehmenden Wohnfläche und Änderung der Lebensgewohnheiten der Menschen verändern sich nach und nach auch die Grundrisse und die Ansprüche an zeitgemäße Raumkonzepte. Ein Thema, welches vor allem für Käufer von Neubau-Wohnungen interessant sein dürfte, denn schließlich soll oder muss sich für das neuerworbene Eigenheim auch in Jahrzehnten noch ein Käufer finden.

Der bekannte Zukunftsforscher Matthias Horx sieht bei Wohnungsgrundrissen vier “Evolutionsstufen” (Quelle: Zukunftsletter, Dez. 2008, S. 4):

Grundriss 1.0: Vor 1900 lebte die Mehrzahl der Menschen (im Regelfall in Form einer Großfamilie) in Ein- oder Zwei-Zimmer-Wohnungen. Grundrisse waren von “Nischen” geprägt: Schlafnische, Kochnische, Waschnische.

Grundriss 2.0: Mit zunehmendem individuellen Wohlstand entstanden aus den Nischen Räume: Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche, Bad …. auch Kinder erhielten erstmals ihr eigenes Zimmer.

Grundriss 3.0: Diese klassische Aufteilung des Wohnraumes verlor in den letzen Jahren immer mehr an Bedeutung: Die Küche entwickelt sich zum offenen Wohn-/Essbereich, Bäder wurden größer und zu Räumen mit Aufenthaltsqualität, das klassische Wohnzimmer orientierte sich mit großflächigen Fenstern oder Wintergärten mehr Richtung Außenwelt.

Grundriss 4.0: Matthias Horx sieht den nächsten Evolutionsschritt in Form “individualisierter Wohn-Module”: Zukünftige Grundrisse werden dabei zu 100% an die Bedürfnisse der Bewohner orientiert sein, entsprechend der jeweiligen Lebenssituation und Lebensphase. Wohngrundrisse werden flexibel und leicht veränderbar sein. Als Raumteiler fungieren dabei nicht mehr starre Wände sondern flexible Lösungen. Sie lassen mit wenig Aufwand Änderungen. zu Bad und Schlafzimmer können so einem Intimitätsmodel verschmelzen, die Küche kann zu einem Ernährungs- und Kommunikationsmodul. Und wenn sich die Lebenssituation ändert (z.B. Geburt von Kindern, Bedarf für Home Office), können die einzelnen Module von den Bewohnern selbst neu zusammengestellt werden ohne dass es größere Umbaumaßnahmen bedarf.

Bauträger, Projektentwickler und Architekten sollten bei der Konzeption neuer Wohngrundrisse auf deren individuelle Veränderbarkeit achten. Die Individualisierung der Gesellschaft wird auch vor den zementierten Wohn-Gewohnheiten nicht halten machen.

5 Thesen zur “Zukunft des Wohnens”

In der aktuellen Ausgabe des “Trendsletters” (März 2008, S. 2), der sich ansonsten überwiegend mit Trends in Technologie und Management beschäftigt, findet sich diesmal auch ein kleiner Artikel zum Thema Wohnräume der Zukunft. Die dort genannten Stichworte habe ich für die folgenden “5 Thesen zur Zukunft des Wohnens” aufgegriffen:

(1) Küche und Wohnzimmer verschmelzen

Die strikte Trennung von “Kochen” und “Wohnen” gehört der Vergangenheit an. Die Vorstellung, dass sich die Hausfrau jeden Tag in die Küche zurückzieht, die Türe hinter sich schließt, um einige Zeit später mit dem “Ergebnis ihres Schaffens” wieder herauszukommen, hat sich endgültig überlebt. Kochen wird immer mehr vom “notwendigen Übel” zum gemeinsamen Erlebnis für Familie und Freunde. Die diversen TV-Kochshows spiegeln diesen Trend wider.

(2) Schlafzimmer und Bad werden eine Einheit

Vom Schlafzimmer quer über den Gang durch zwei Türen ins Badezimmer laufen, auf dem Weg dorthin über die Spielsachen der Kinder stolpern … nein, das will niemand mehr! In modernen Grundrisskonzepten sind die Bäder direkt von den entsprechenden Schlafzimmern erreichbar. Doch die Entwicklung in diesem Bereich geht noch weiter: Schlaf- und Badezimmer werden eine Einheit, verschmelzen zu einem privaten Wohlfühl- und Rückzugsraum. Die strikte Trennung zwischen Nass- und Schlafbereich wird zumindest im Luxussegment mehr und mehr verschwinden. Heute schon zu sehen in manchen Hotels (z.B. Grand Hyatt Berlin) oder in neuen Appartements in Manhattan.

(3) Der Esstisch gewinnt an Bedeutung

Die klassische Sitzgruppe im Wohnzimmer wird unwichtiger, denn der Esstisch wird zunehmend zum Lebensmittelpunkt der Familie, als der Ort, wo die Familie zusammenkommt und Hausaufgaben gemacht werden. Der Ort, an dem man abends mit Freunden zusammen sitzt und die Kinder ihre Spielsachen ausbreiten. Die wuchtigen Wohnzimmer-Couch-Landschaften sind ein Relikt der 80er Jahre. In kleineren Wohnungen wird auf ein Wohnzimmer im klassischen Sinne oftmals schon ganz verzichtet.

(4) Das Wohnzimmer wird zum Medienzimmer

Das Wohnzimmer in seinem ursprüngliche Sinne wird verschwinden, zugunsten eines multifunktionallen Raumes, der je nach Bedarf als “Familien-Kino”, “Gaming-Area” oder “Lese- und Ruhezimmer” genutzt werden kann. Der Fernseher als optischer Mittelpunkt des Raumes wird ausrangiert und erstetzt durch ultraflache Displays an den Wänden und einsetzbare mobile und kabellose Beamer.

(5) “Always On, Always Connected”

Zugang zum Internet gab es bis Ende der 90er Jahre nur in “Papas Arbeitszimmer”, über ein knackendes Analog-Modem. Mittlerweile gilt: Internet ist immer und überall in ausreichender Bandbreite zu geringen Kosten verfügbar: nicht nur für klassische Büroanwendungen, sondern in Zukunft auch für alle Bereiche der Unterhaltung wie Musik, TV, Video und Gaming. Wohnungen ohne Zugang zum Breitband-Internet (z.B. in abgelegenen Regionen) werden schon in drei bis fünf Jahren so gut wie unverkäuflich sein.

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