“Mieten oder kaufen: Die wahre Rechnung” - wirklich?

15 Juli, 2008

Unter dem Titel „Mieten oder kaufen: Die wahre Rechnung“ geht die WirtschaftsWoche in ihrer aktuellen Ausgabe (29/2008, S. 90 ff.) der Frage nach, ob sich der Kauf einer selbstgenutzten Immobilie „rechnet“.
Befragt man zu diesem Thema Bausparkassen, Makler oder Bauträger, so bekommt man eigentlich immer die selbe Antwort: „Ja, die eigene Immobilien rechnet sich selbstverständlich! Der Kauf einer Immobilie ist eine sinnvolle Investition, langfristig immer günstiger als Mieten. Und darüber hinaus die perfekte Altervorsorge.“
Diese pauschale Antwort ist wohl genauso falsch, wie die Musterrechnungen der WirtschaftsWoche: Diese kommen nämlich zu dem Ergebnis, dass Mieten IMMER besser ist als Kaufen. Der Kauf einer eigenen Immobilie sich also unter keinen Umständen rechne.

Unter verschiedenen Annahmen stellt die WirtschaftsWoche einige Musterrechnungen dar und macht eine Kalkulation über 50(!) Jahre auf (viele Immobilien-Käufer sind da wohl schon längst tot, das aber nur nebenbei bemerkt). So ergibt sich nach dieser Beispiel-Rechnung ein Gesamtvermögen eines Käufers einer Eigentumswohnung in Frankfurt nach 50 Jahren in Höhe von EUR 980.000. Bei einer Miete derselben Wohnung aber ein Endvermögen von EUR 2,9 Millionen. Der Käufer „verschenke” gegenüber dem Mieter also knapp zwei Millionen Euro…

Dass das ganze eher unter der Rubrik „Milchmädchenrechnung“ abzuhaken ist, ist schon alleine daran zu erkennen, dass in der Berechnung von einer allgemeinen Preis- und Lohnsteigerung von 2% p.a. ausgegangen wird, die Mietersteigerungen allerdings nur mit 0,8% p.a. angesetzt wird und die Wertsteigerung der Immobilie in Frankfurter-City-Lage mit 0% (also real ein jährlicher Wertverlust ) in die Rechung einfließt. Über den sehr lange Zeitraum von 50 Jahren ergibt sich hierbei mathematisch natürlich ein starkes Auseinanderdriften der Zahlreihen (Zinseszins-Effekt). Im Ergebnis hat dies den realitätsfernen Effekt, dass der Eigentümer nach 50 Jahren (trotz regelmäßiger Instandhaltung) eine fast wertlose Immobilie hätte, der Mieter nach 50 Jahren aber – im Vergleich zu seinem gestiegenen Einkommen – die Miete aus der Portokasse zahlen könnte.

Aus meiner Sicht eine genau so unseriöse Berechnung, wie die (fast) immer geschönten Musterrechnungen von Banken und Maklern mit denen, die denen dem Kunden eine Immobilien-Investition schmackhaft gemacht werden soll.

Siehe zu diesem Thema auch meinen Blog-Beitrag „8 Argumente für und gegen eine Immobilie als Kapital-Anlage“ und den Gast-Beitrag des Londoner Immobilien-Experten Rolf Elgeti „Warum kaufen besser ist als mieten“.


„Jung, schön und noch zu haben“

14 Juli, 2008

„Jung, schön und noch zu haben“ – Das ist nicht der Slogan einer neuen Dating-Börse, sondern der Titel eines Immobilien-Wettbewerbs, bei dem jährlich die schönsten Neubau-Wohnungen Münchens gekürt werden. Die Teilnahmebedingen für diesen Wettbewerb sind:

• die Objekte dürfen nicht älter als 5 Jahre sein
• der Baubeginn muss bereits terminiert sein
• sie müssen zum Zeitpunkt der Einreichung über freie Kauf- oder Mietflächen verfügen
• die Immobilie muss sich in München oder in den angrenzenden Landkreisen befinden

Im Jahr 2008 wurden folgende drei Neubau-Projekte zu den schönsten Immobilien Münchens gekürt:

Projekt: „Gern64 - München“
Gebäudeart: Wohnungsbau
Architekten: 03 München, Architekten BDA, München
Bauherr: Bauwerk
Fertigstellung: Dezember 2009
Freie Kaufflächen: 5.480 qm

Projekt: „24 Stadthäuser am Riemer Park“
Gebäudeart: Wohnungsbau, Stadthäuser in Holz, Glas, Stahl
Architekt: Ingo Bucher-Beholz, Gaienhofen
Bauherr: Baugemeinschaft „Solarreihenhäuser am Riemer Park”
Fertigstellung: 2009
Freie Kaufflächen: 1.720 qm

Projekt: “wagnis_3 Riem”
Gebäudeart: Wohnanlage
Architekten: boevischs buero hofmann ritzer architekten BDA
Bauherr: wagnis eG
Fertigstellung: 2009
Freie Miet- und Kaufflächen: 3.700 qm

Eine entsprechende Fotostrecke gibt es auf sueddeutsche.de. Weitere Infos zum Wettbewerb bei muenchenarchitektur.de.


Aktuelle Luxuswohnungen in München

18 Juni, 2008

Ein Trend auf dem Markt für Neubau-Wohnungen ist unverkennbar: das Angebot wird vielfältiger und differenzierter. Und zwar sowohl in Richtung „Luxus/Premium“ als auch in Richtung „discount/günstig“. Ähnlich wie auf dem Automarkt werden die Wünsche der Kunden immer individueller. Für die 3-Zimmer-Standard-Wohnung in durchschnittlicher Lage und durchschnittlicher Ausstattung sind immer weniger Kunden wirklich zu begeistern. Besonders das Luxus-Segment erlebt derzeit im Großraum München einen regelrechten Boom. Begrenzender Faktor ist hier nicht die Kunden-Nachfrage, sondern die Verfügbarkeit an geeigneten Gründstückslagen, insbesondere im Innenstadt-Bereich von München. Selbst Quadratmeter-Preise jenseits der EUR 7.000 werden problemlos gezahlt – sofern Lage, Architektur und Ausstattung „stimmen“.

Hier eine Übersicht über aktuelle Luxus-Bauträger-Projekte in München:

KS39 - Kaiserstraße 39
Kaiserstraße 39
80803 München-Schwabing
Bauträger: EBRO Immobilien
Anzahl Wohneinheiten: 22
bezugsfertig: Anfang 2009
Preis/m²: EUR 6.481 (f. Preis-Beispiel)
Link zum Projekt

Mehrfamilienhaus Oberföhring
Oberföhringer Straße 89
81925 München-Oberföhring
Bauträger: Rossius
Anzahl Wohneinheiten: 3
bezugsfertig: Ende 2008
Link zum Projekt

Königsplatz Palais
Luisenstr. 22
80333 München-Maxvorstadt
Bauträger: Infraplan
Anzahl Wohneinheiten: 24
bezugsfertig: Ende 2008
Preis/m²: EUR 5.283 (f. Preis-Beispiel)
Link zum Projekt

Ars Vivendi - Die Kunst zu leben
Defreggerstraße 6
81545 München-Harlaching
Bauträger: JK Wohnbau
Anzahl Wohneinheiten: 5
bezugsfertig: Mitte 2009
Preis/m²: EUR 7.272 (f. Preis-Beispiel)
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Stadthaus Neuhausen
Jutastraße 6-8
80636 München-Neuhausen
Bauträger: Alva Wohnbau
Anzahl Wohneinheiten: 21
bezugsfertig: Mitte 2009
Preis/m²: EUR 4.650 (f. Preis-Beispiel)
Link zum Projekt

redukt Nymphenburg
Zuccalistraße 16
80369 München-Nymphenburg
Bauträger: Bauwerk
Anzahl Wohneinheiten: 14
bezugsfertig: Ende 2008
Preis/m²: EUR 11.518 (f. Preis-Beispiel)
Link zum Projekt

Gern - Hanfstaenglstraße 15
Hanfstaenglstraße 15
80638 München-Gern
Bauträger: Eurytos
Anzahl Wohneinheiten: 12
bezugsfertig: Ende 2009
Link zum Projekt

Gern 64
Hanebergstraße
80637 München-Gern
Bauträger: Bauwerk
Anzahl Wohneinheiten: -
bezugsfertig: Mitte 2010
Preis/m²: EUR 4.898 (f. Preis-Beispiel)
Link zum Projekt


Google Street View auch bald für München?

29 Mai, 2008

Der Suchmaschinen-Gigant Google schickt derzeit auffällige Fahrzeuge mit montieren Spezial-Kameras durch europäische Großstädte. Wie Google nun selbst bestätigte, soll die bislang nur für US-Großstädte vorhandene Funktionalität “Street View” nun auch bald für europäische Metropolen verfügbar sein. Dabei präsentiert Google in Zukunft bei einer Location-Suche via Google Maps nicht mehr nur Landkarten und Satellitenbilder, sondern auch 3D-Fotoansichten von ganzen Straßenzügen in sehr hoher Qualität. Wann die “Google-Kamera-Autos” nach Deutschland kommen werden, ist noch offen. Sicher ist jedoch schon, dass auch München auf der Motivliste der Google-Knipser steht.

Wer verstehen möchte, welche Möglichkeiten sich mit “Street View” gerade für den Immobilien-Bereich auftun, kann sich hier auf eine virtuelle Autofahrt durch New York City begeben.


Stadt oder (Um-)Land?

8 Mai, 2008

Ja, das möchste: Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse, vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße; mit schöner Aussicht, ländlich-mondän, vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn - aber abends zum Kino hast dus nicht weit. (….) - Kurt Tucholsky, (1890-1935)

Schon Tucholsky hat in diesem Gedicht (Das Ideal von 1927) den Wunschtraum aller Immobilien-Suchenden auf den Punkt gebracht: die große Villa im Grünen, mitten in der Stadt gelegen!

In der Realität muss man sich entscheiden: Stadt oder Land? City-Wohnung oder ein Haus im Grünen? Der Trend auf dem Immobilien-Markt ist eindeutig und heißt: zurück in die Stadt! Tendenziell verlieren die Immobilien auf dem Land eher an Wert, wohingegen Top-City-Lagen wie das Lehel, Haidhausen, Herzogpark, Glockenbach und Maxvorstadt stetig an Wert zulegen können. Ein “Opfer” dieses Trends ist zum Beispiel der Münchener Vorort Grünwald - jahrzehntelang der Inbegriff von gediegenem Wohnen und hohen Immobilienpreisen. Doch Grünwald hat die besten Zeiten wohl hinter sich. So warten hier zur Zeit mehr als 140 Objekte (meist größere Villenanwesen) auf Käufer und die Preisvorstellungen der bisherigen Eigentümer sind in den allermeisten Fällen am Markt nicht mehr durchsetzbar.

Doch daraus zu folgern, dass “Stadt” immer besser ist als “Land”, wäre zu kurz gegriffen. Es hängt wohl im wesentlichen von der persönlichen Lebensumständen ab. So wird sich ein kinderloses Unternehmensberater-Ehepaar sicherlich in einer schicken Dachgeschoss-Wohnung in Top-City-Lage mit kurzen Wegen zu Bahnhof und Flughafen wohler füllen als irgendwo draußen im Umland. Dieselbe Immobilie kann aber für die 4-köpfige Familie mit Aupair-Mädchen und Hund schnell eine Zumutung werden.

Argumente für eine Immobilie in der Stadt:

  • kurze Weg zum Arbeitsplatz, zur Schule und Kindergarten
  • kurze Wege in der Freizeit (Einkaufen, Kino, Theater, Sport)
  • geringere Mobilitätskosten durch kürzere Wege, vor allem durch Verzicht auf Autofahrten, Verzicht auf Zweitwagen (steigende Mineralölpreise werden die Kosten für Mobilität weiter erhöhen)
  • kaum mehr steuerliche Vorteile für Pendler (z.B. Kürzung der Pendlerpauschale, steuerliche Beschränkungen bei Dienstfahrzeugen)
  • gut ausgebautes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus, Bahn)
  • Kinder sind “mobiler”: Eltern werden nicht zum “Taxi-Dienst” für ihre Kinder
  • bessere Verfügbarkeit von haushaltnahen Dienstleistern (z.B. Babysitter, Putzfrau, Pflegedienst).
    optimale Verfügbarkeit von Breitband-Internet, Mobilfunknetzen und Kabel-Fernsehen
  • einfacherer und schnellerer Wiederverkauf / Wertstabilität und Chance auf Wertsteigerung der Immobilie

Argumente für eine Immobilie im Umland/auf dem Land

  • günstigerer Preis bzw. mehr Wohnfläche “für´s gleiche Geld”
  • mehr Raum, mehr Platz, mehr Freiheit, mehr Natur, da keine “verdichtete” Bebauung
  • höherer Erhohlungswert , bessere Entspannung vom Joballtag
  • bessere Parkplatz-Situation: keine all-abendliche Parkplatzsuche, kein mühsames Rangieren in engen Tiefgaragen mit Duplexparken
  • gesundheitliche Vorteile: kein Feinstaub, saubere Luft, weniger Lärm, weniger elektromagnetische Strahlung
  • mehr Möglichkeiten für Outdoor-Sport direkt vor der eigenen Türe, z.B. Joggen auf Waldwegen, Wandern, Mountainbiking
  • weniger Anonymität: höheres Gemeinschaftsgefühl, intensiverer Kontakt zu Nachbarn
  • weniger Kriminalität, da keine sozialen Brennpunkte und damit weniger Gefahren für Kinder
  • Kinder können mehr (unbeaufsichtigte) Freizeit “draußen” verbringen
  • Haustiere (Hunde, Katzen) fühlen sich auf dem Land wohler


Aktualisierung von “Bauträger” und “Projekte”

17 April, 2008

Ich habe die Rubrik “aktuelle Bauträger-Projekte” um den Stadtteil Nymphenburg ergänzt. Unter dem Verzeichnis der Bauträger in München sind die LS Wohnbau GmbH und die Merkur Bauträger GmbH neu hinzu gekommen. Wenn Sie über Ihre Erfahrungen mit einzelnen Bauträgern etwas berichten möchten, können Sie im Kommentarfeld (am Ende der jeweiligen Seite) einen Eintrag hinterlassen.


“Warum kaufen besser ist als mieten”

15 April, 2008

Der kommende Immobilienmarkt in Deutschland - Warum kaufen besser ist als mieten - so der Titel des soeben erschienenen Buchs des Immobilien-Experten Rolf Elgeti.

Rolf Elgeti fasst die Kernthesen seines neuen Buchs in diesem Gastbeitrag zusammen:

In diesem Buch werden viele Thesen aufgestellt und begründet. Einige von ihnen mögen auf den ersten Blick unpopulär, manche auch auf den ersten Blick wenig intuitive sein. Da in Deutschland im allgemeinen eine sehr negative Meinung gegenüber Wohnimmobilien vorherrscht, mag vieles auch überraschend und provokativ klingen.

Zwei Punkte erscheinen mir besonders wichtig im Zusammenhang des deutschen Wohnungsmarktes: Erstens wohnen wir im Durchschnitt viel günstiger, als dies nachhaltig wäre und zweitens verpassen wir als Gesellschaft große Chancen, indem wir bisher keine weit gestreute Wohnungseigentümerkultur aufgebaut haben. Beides wird sich meiner Meinung nach ändern: Das erste wird Schmerzen verursachen, dass zweite Chancen mit sich bringen.

Deutsche Wohnungen sind günstig. Das ergibt sich daraus, dass man sie an vielen Orten für einen Preis kaufen kann, der teilweise deutlich unter ihren Herstellungskosten liegt. Die Wirtschaftsgeschichte lehrt, dass Preise nur sehr selten sehr lange unter diesen Kosten liegen können. Deutscher Wohnraum ist allerdings auch unterbewertet, wenn man die momentanen durchschnittlichen Mieten mit den Finanzierungskosten des Wohnbestandes vergleicht.

Das Dramatische an dieser These ist aus meiner Sicht, dass diese Investitionslogik für deutsche Wohnungen sogar bei dem momentanen Mietniveau greift. Dabei sind diese Mieten eigentlich ebenfalls wirtschaftlich unnatürlich niedrig. Sie rechtfertigen im Durchschnitt jedenfalls keinen Wohnungsneubau und in vielen Lagen noch nicht mal eine Sanierung von bestehenden Wohnraum.

Genauso wie vor einer guten Dekade bei einem Ölpreis von zehn Dollar je Fass nicht in eine neue Förderkapazitäten investiert wurde, weil es sich nicht aus Sicht der Produzenten nicht lohnte, werden jetzt in Deutschland fast keine neuen Wohnungen mehr gebaut, weil sich das aus Sicht der Bauunternehmen einfach nicht rechnet. Das störte bei einem Ölpreis von zehn Dollar kaum jemanden, genauso wie es im Moment niemanden zu beunruhigen scheint, dass in Deutschland so wenig gebaut wird – schließlich ist noch genügend Leerstand vorhanden, allerdings schon längst nicht mehr überall.

Damit die Ölunternehmen wieder in das Erschließen neuer Ölfelder investiert haben, musste der Ölpreis sich etwa vervierfachen und hat sich seitdem noch mehr als verdoppelt. Die Mieten in Deutschland müssen vergleichsweise um „nur“ ca. 50% steigen, bevor sich der Wohnungsbau wieder lohnt. Natürlich kann man nicht ausschließen, dass die Mieten lokal aufgrund von dort nicht befriedigter Nachfrage auch wesentlich mehr steigen können.

Das einzige wirklich ernst zu nehmende Gegenargument, was man diesem Trend entgegenstellen könnte, wäre ein so starker Bevölkerungsrückgang, dass trotz mangelnden Angebots immer noch ein Überschuss an Wohnungen entstehen würde. Diese Sichtweise ist weit verbreitet, allerdings basiert sie nicht auf den Fakten: Trotz mangelnder Bevölkerungsdynamik wächst in den Deutschland die Anzahl der Haushalte, weil aufgrund verschiedener im Buch beschriebener Trends die durchschnittliche Haushaltsgröße fällt. Hinzu kommt, dass selbst wenn dies eine Tages nicht mehr der Fall wäre, es immer noch zu lokalen Wohnungsknappheiten führen sollte, weil es innerhalb von Deutschland eine oft unterschätzte Bevölkerungswanderung gibt – und dies auch nicht nur von Norden nach Süden und von Osten nach Westen, die Realität ist wesentlich komplizierter.

Damit spricht die wirtschaftliche Dynamik in Deutschland aus meiner Sicht für steigende Mieten und für steigende Wohnungspreise – und aller Voraussicht auch für steigende Preise im Verhältnis zur Miete, was nichts anderes bedeutet, als dass die Wohnungspreise in der nächsten Dekade noch stärker steigen können als die Mieten.

Dies alles kann möglicherweise von weiteren Trends wie einer steigenden Inflation oder einer Verbesserung der Bankprodukte im Immobilienbereich noch verstärkt werden und wie in vielen anderen Ländern auch eine gewisse Eigendynamik dadurch gewinnen, dass sich ein kultureller Wandel vom Mieten zum Kaufen entwickelt.

Die These, dass für viele - wenn auch nicht alle – Menschen das Kaufen von Wohneigentum sinnvoller als das Mieten sein sollte, ist die eine Seite dieser Diskussion um deutsche Immobilien. Der zweite Aspekt ist, dass ein Land, indem es viele Wohnungseigentümer gibt, viele Vorteile genießt.

Als jemand, der diese Dynamik privat und geschäftlich in vielen Ländern beobachten durfte, liegt mir daran, diese Vorteile eines breit gestreuten Wohnungsmarkt auch in die hiesige Diskussion einzubringen, was kein einfaches Unterfangen ist.

Dabei sind die Vorteile, die eine Gesellschaft von Wohnungseigentümern statt Mietern mit sich bringt, nicht nur wirtschaftlicher Natur. So gibt es viele Gründe zu glauben, dass Wohnungsbesitzer eine Demokratie stabilisieren. Auch das Schützen des Kulturgutes, dass in den deutschen Baudenkmälern – und damit sind nicht nur die offiziellen gemeint - enthalten ist, ließe sich ohne privates Kapital kaum realisieren.
Darüber hinaus sind allein die wirtschaftlichen Konsequenzen eines breit gestreuten Wohnungsmarktes beachtlich. Wichtig erscheinen mir neben den offensichtlichen Dingen wie eine Förderung der Baukonjunktur vor allem drei Aspekte. Erstens wird die private Altersvorsorge effizient aufgebaut und teilweise vor Inflationsrisiken geschützt.

Zweitens ergibt sich eine viel bessere Marktsegmentierung in der Wohnungswirtschaft insgesamt, so dass die Wohnungen insgesamt viel besser auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten werden und gleichzeitig im Durchschnitt auch billiger hergestellt werden könnten. Drittens wird eine Gesellschaft von Eigentümern statt Mietern insgesamt risikofähiger, weil die Risiken des Wohnungsmarktes von denjenigen getragen werden, die dafür am besten positioniert sind. Das würde in der deutschen Wirtschaft einen Pool von Risikokapital freisetzen, der deutlich sinnvoller in zukünftiges Wachstum investiert werden könnte, zum Beispiel durch Forschung und Ausbildung.

Zusammengefasst verpassen wir meiner Meinung nach in Deutschland viele Chancen dadurch, dass der Wohnungskauf weder so gesellschaftlich akzeptiert noch so politisch gefördert ist wie in anderen Ländern.

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Über den Autor: Rolf Elgeti ist Gründer und Managing Director der Investmentgesellschaft Elgeti Ashdown Advisers Ltd. Vorher war er acht Jahre u. a. bei ABN AMRO als Analyst in London tätig und setzte sich während dieser Zeit intensiv mit dem deutschen Immobilienmarkt auseinander. Er wurde zwei Mal zum besten europäischen Aktienstrategen gewählt. Elgeti hat in Mannheim und Paris Betriebswirtschaftslehre studiert und lebt mit seiner Familie in London.

Der kommende Immobilienmarkt in Deutschland, von Rolf Elgeti, erschienen im Finanzbuch Verlag (März 2008), 250 Seiten, EUR 34,90, ISBN-10: 3898793737 (Buch bestellen bei amazon.de).


Ab Freitag: Messe „Eigentum & Wohnen“ in München

9 April, 2008

An diesem Freitag ist es wieder soweit: Die Immobilien-Messe „Eigentum & Wohnen“ öffnet ihre Pforten. Bis einschließlich Sonntag können sich Immobilien-Interessierte rund um aktuelle Bauträger-Projekte, Finanzierungsfragen und Entwicklungen am Münchener Immobilienmarkt informieren. Die Veranstalter rechnen mit etwa 5.000 Besuchern. Veranstaltungsort ist die „Event-Arena“ auf dem Gelände des Olympia-Parks. Der Eintrittpreis beträgt 7,- Euro für Erwachsene. Einige Bauträger (z.B. JK Wohnbau) haben im Vorfeld „Freikarten“ an Kunden und Interessenten verschickt.

Die Messe öffnet am Freitag um 13.00 Uhr. Erfahrungsgemäß ist der Freitag-Nachmittag der Zeitraum mit dem geringsten Besucher-Andrang. Wer immer es sich einrichten kann, sollte deshalb am Freitag auf die Messe kommen, um sich in Ruhe informieren zu können.

Diesmal sind rund 20 Münchener Bauträger vor Ort, darunter die großen Anbieter wie Baywobau, Bayerische Hausbau, JK Wohnbau, Klaus Gruppe, Infraplan und Pöttinger. Allerdings sind im Großraum München zur Zeit insgesamt rund 60 Bauträger mit mehr als 250 Wohnbau-Projekten aktiv. Entgegen der Behauptung der Veranstalter bildet die Messe damit zwar nicht das „komplette Angebot“ ab, ein Besuch sollte sich aber alle mal lohnen.

Wer an diesem Wochenende keine Zeit kann, sei auf den 17. bis 19. Oktober 2008 verwiesen. Dann findet die nächste Eigentum & Wohnen statt.


“Lieber Tiefgarage als Stuckdecke”

27 März, 2008

“Lieber Tiefgarage als Stuckdecke” - auf diesen einfachen Nenner kann man einen aktuellen Trend am Immobilienmarkt bringen: Immer mehr Käufer (und auch Mieter) bevorzugen Neubauten. Galt noch bis vor wenigen Jahren eine Altbauwohnung mit 3 Meter hohen Decken, echten Stuck an den Wänden und verspielten Sprossenfenstern als das non plus ultra bei vielen Immobiliensuchenden, so zeigt sich hier zunehmend eine Verschiebung der Prioritäten. Insbesondere junge Paare und ältere Menschen wissen die Annehmlichkeiten von Neubau-Objekten zu schätzen: Was nutzt der schönste Stuck, wenn es andererseits an einem Aufzug, einem Tiefgaragenstellplatz, einer zeitgemäßen Multimedia-Verkabelung und einem energiesparenden Heizungssystem mangelt…! Den vollständigen Artikel hierzu lesen Sie auf  ImmobilienNews, dem neuen News-Portal von ImmobilienScout24.


Die Wohn-Immobilie als Kapitalanlage: 8 Argumente dafür, 8 Argumente dagegen

25 März, 2008

In Zeiten von Banken- und Finanzkrise rückt die eigene Wohn-Immobilie als Kapitalanlage wieder stärker in das Blickfeld. Aus Sicht von Bauträgern, Bausparkassen und Baufinanzierern ist eine Immobilie natürlich immer eine „gute“ Kapitalanlage… Teilweise wird sogar in Anzeigen-Kampagnen ausdrücklich die generelle Überlegenheit der Immobilie gegenüber einer Anlage in Aktien oder Aktienfonds behauptet. Doch die Wirklichkeit ist komplizierter. So gibt es einige Argumente, die für die Immobilie sprechen, aber natürlich auch einige dagegen.

Argumente dafür:

  1. Diversifikation innerhalb der eigenen Vermögensanlage
  2. Schutz in wirtschaftlichen Krisenzeiten: Raum zum Wohnen wird immer benötigt; ein lebenswichtiges Gut, wie Luft, Wasser, Nahrung
  3. Im Regelfall Wertstabilität (zumindest bei Lage innerhalb eines wirtschaftlich prosperierenden Großraumes wie z.B. München, Hamburg, Stuttgart)
  4. Inflationsschutz, da Anlage in Sachwerten
  5. Nachfrage nach zeitgemäßen (und v.a. energieeffizienten) Wohnraum nimmt trotz der demographischen Entwicklung stetig zu
  6. internationaler Vergleich: In Deutschland immer noch niedriges Preisniveau im Vergleich zu Großräumen wie London, Paris oder Barcelona
  7. Immobilie kann im Alter selbst genutzt werden: Schutz vor steigenden Mieten und Vermieter-Willkür
  8. psychologischer Effekt: Langfristige Verpflichtung zur Zahlung von Zins und Tilgung (meist über 10 oder 15 Jahre) führt zu größeren Sparanstrengungen in der Gegenwart -> Statistik beweist, dass Haushalte mit Immobilien-Eigentum im Alter vermögender sind, als vergleichbare Haushalte ohne Immobilien-Eigentum

Argumente dagegen:

  1. relativ hohes Risiko durch Mietausfall, Leerstand, Vandalismus des Mieters, versteckte Baumängel
  2. mieterfreundliche Gesetzgebung und Rechtssprechung (z.B. beim Kündigungsschutz, Umlegung von Renovierungskosten)
  3. hohe laufende Kosten, die nicht auf den Mieter umgelegt werden können (z.B. Hausverwaltung, Kosten für Instandhaltungsrücklage am Sonder- und Gemeinschaftseigentum)
  4. kaum steuerliche Anreize: keine degressive Abschreibung mehr (seit 2006 nur noch lineare Abschreibung in Höhe von 2% auf den Gebäudeanteile)
  5. geringe Fungibilität der Anlage: Verkauf der Immobilie dauert im Regelfall 6 bis 12 Monate
  6. hohe Transaktionskosten (bis zu 10%: Notargebühren, Grunderwerbsteuer, Registergebühren, Maklerprovision) –> müssen erstmal rein-verdient werden : bei Verkauf innerhalb der ersten 10 Jahre meist ein Verlustgeschäft
  7. nur geringe Chancen auf Wertsteigerungen (demographische Entwicklung, rückläufige bzw. stagnierende Reallöhne), in unattraktiven Lagen: Risiko des Wertverlustes (bis hin zur Unverkäuflichkeit)
  8. hoher Verwaltungsaufwand: jährliche Nebenkosten-Abrechnung, laufende Reparaturarbeiten, Teilnahme an Eigentümer-Versammlungen, Mieterwechsel, teilweise aufwändige Nachweispflichten gegenüber Finanzbehörden