Zahlungsplan, Bauzeit & Abnahme

22 November, 2009

Bau Neubau-Objekten, die noch nicht fertigstellt sind, sich also noch in der Bauphase befinden, verlangt der Bauträger Abschlagszahlungen gemäß dem Baufortschritt. Die entsprechende „Zahlungsschritte“ sind im Einzelnen in der Makler- und Bauträgerverordnung festgelegt.

Zahlungsplan:

  • 30,0% nach Beginn der Erdarbeiten
  • 28,0% nach Rohbaufertigstellung, einschließlich Zimmererarbeiten,
  • 5,6% für die Herstellung der Dachflächen und Dachrinnen,
  • 2,1% für die Rohinstallation der Heizungsanlagen,
  • 2,1% für die Rohinstallation der Sanitäranlagen,
  • 2,1% für die Rohinstallation der Elektroanlagen,
  • 7,0% für den Fenstereinbau, einschließlich der Verglasung,
  • 4,2% für den Innenputz, ausgenommen Beiputzarbeiten
  • 2,1% für den Estrich,
  • 2,8% für die Fliesenarbeiten im Sanitärbereich,
  • 8,4% nach Bezugsfertigkeit und Zug um Zug gegen Besitzübergabe,
  • 2,1% für die Fassadenarbeiten,
  • 3,5% vollständiger Fertigstellung

Beachten Sie hierbei die strenge Unterscheidung des Gesetzgebers zwischen Bezugsfertigkeit und Fertigstellung. Eine Wohnung kann bereits bezugsfertig sein (also „bewohnbar“), die Fertigstellung (z.B. Parkplätze, Außenanlage) kann sich jedoch noch Monate hinziehen.

Praxis-Tipp: Was viele nicht wissen: Dies sind jeweiligen Höchstbeträge. Änderung zugunsten des Immobilien-Käufers können jederzeit vereinbart werden, sind in der Praxis eher selten anzutreffen.

Bauzeit

Der Baubeginn, die Bezugsfertigkeit und der Fertigstellungstermin sind für den Käufer von zentraler Bedeutung. Von der Bauzeit und vom Baufortschritt hängt vieles ab: die Fälligkeit der entsprechenden Kaufpreisraten ab, die Kündigung der alten Wohnung, die Umzugsplanung, die Zahlung von Bereitstellungszinsen an die kreditgebende Bank, usw.

Die entsprechenden Termine müssen im Bauträgervertrag kalendermäßig definiert sein. Lassen Sie sich nicht auf Formulierung ein, wie „Fertigstellung voraussichtlich ein Jahr nach Erteilung der Baugenehmigung“ – solche Klauseln sind für den Käufer praktisch wertlos. Bestehen Sie auf eine Regelung im Vertrag wie etwa diese:

Ist die Bezugsfertigkeit im Sinne von Abschnitt x.x dieser Urkunde nicht bis zum 31.03.2011 erfolgt, so ist der Veräußerer ab 01.04.2011 verpflichtet, an den Käufer zeitanteilig einen Betrag von EUR 800,- monatlich zu zahlen, längstens jedoch bis zur Bezugsfertigkeit.

Als Höhe des „Schadenersatz“ wird im Regelfall die ortsüblich zu erzielende Nettomiete für das Objekt zu Grunde gelegt.

Praxistipp: Unsere Erfahrung vergehen zwischen Baubeginn und Bezugsfertigkeit rund 12 Monate – wenn alles „optimal läuft“. Der Regelfall sind eher 14 bis 16 Monate. Bei großen, aufwendigen Wohnanlage mit hunderten von Wohneinheiten oftmals auch 1,5 Jahre. Achtung: Teilweise werden Wohnungen vom „Plan weg verkauft“, für die noch gar keine Baugenehmigung vorliegt bzw. der Bauträger noch nicht mal Eigentümer des Baugrunds ist.

Vereinbarte Änderungen

Änderungen der Baubeschreibung (z.B. Parkett anstelle von Teppichboden) müssen unbedingt vor Vertragsschluss mit dem Bauträger vereinbart werden.  Alle Änderungswünsche sind dann Teil des notariell zu beurkundenden Bauträgervertrages. Auf Aussagen des Bauträger, wie „diese Details können wir dann nach dem Notarterin“ regeln sollten Sie sich nicht einlassen.

Sonderwünsche nach Vertragsschluss

Ist der Bauträgervertrag erst mal abgeschlossen, so ist der Bauträger grundsätzlich nicht verpflichtet, spätere Wünsche des Käufers (z.B. nun doch wieder Teppich anstelle von Parkett) zu berücksichtigen. Dennoch zeigen sich hier in der Praxis, die meisten Bauträger recht kooperativ: So gehen die meisten Bauträger auf Sonderwünsche der Käufer auch nach Vertragsschluss noch entsprechend ein, sofern diese baurechtlich zulässig sind und es der Baufortschritt noch zulässt. Für etwaige Änderungen ist dann natürlich ein entsprechender Aufpreis zu bezahlen (z.B. die Mehrkosten für Parkett anstelle von Teppich).

Die Abnahme

Die formelle Abnahme einer Wohnung stellt eine wichtige zeitliche Zäsur dar. Mit der Abnahme billigt der Käufer die Wohnung als vertragsgerecht und frei von wesentlichen Mängeln und nimmt sie entgegen. Mit der Abnahme wird im Regelfall auch eine weitere Kaufpreisrate zur Zahlung fällig.

Mit der Abnahme erfolgt zudem eine Umkehrung der Beweislast für Mängel: Vor der Abnahme liegt es am Bauträger zu beweisen, dass er die beauftrage Leistung vollständige und insbesondere frei von wesentlichen Mängel erbracht hat. Nach der Abnahme ist die Situation umgekehrt: Jetzt liegt es am Käufer den Nachweis zu erbringen, dass der gerügte Mangel tatsächlich vorhanden und vom Bauträger zu verschulden ist. Dieser Nachweis kann oftmals nur schwer erbracht werden:

Beispiel: Der Käufer der Wohnung rügt nach Abnahme den völlig zerkratzen Parkettboden beim Bauträger. Dieser behauptet nun seinerseits, dass die Kratzer bei Abnahme nicht vorhanden waren und die Ursache wohl eher in den unachtsamen Umzugshelfern des Käufers zu sehen ist.


Alle Neubau-Projekte in Frankfurt a.M.

14 Januar, 2009

Wer sich bei seiner Immobilien-Suche gerne auch etwas Richtung “Norden” orientiert bzw. die Region Frankfurt am Main dem teuren München vorzieht, der findet seit gestern unter „neubau kompass Frankfurt“ (frankfurt.neubaukompass.de) eine Übersicht über alle aktuellen Neubau-Projekte im Großraum Frankfurt. Zur Zeit sind 159 Projekte von mehr als 4o Bauträgern in der Datenbank.


Liste „aktuelle Bauträger-Projekte“ ergänzt

4 Januar, 2009

In die Liste der „aktuellen Bauträger-Projekte“ habe ich nun die Neubau-Immobilien von sr-immobau (aktuelles Projekt im Westend) und Südhausbau (aktuelle Projekte in Sendling, Laim, Glockenbach) aufgenommen.


2009 – oder: Das Gute an der Krise

22 Dezember, 2008

Liest man die Schlagzeilen der vergangenen Tage, so kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Untergang mit anschließendem jüngsten Gericht unmittelbar bevor stünde. Finanzkrise, Bankenkrise, Wirtschaftskrise, Jobkrise, usw. Erst heute schreibt SPIEGEL ONLINE wieder, das Jahr 2009 werde das  “schlechtesten Jahr in der Geschichte der Bundesrepublik“.

Die eigene subjektive Wahrnehmung der diesjährigen Vorweihnachtszeit mit überfüllten Kaufhäusern, vollen Weihnachtsmärkten und Restaurants, in denen alles zu bekommen ist, nur keine freier Platz mehr, mag eine andere sein.

Doch auch ganz objektiv betrachtet, haben die aktuellen Krisenzeiten auch ihre guten Seiten – gerade für Immobilien-Interessenten und Immobilien-Eigentümer:

  • Die Zinsen für Hypothekendarlehen sind stark gesunken. Ein Baufinanzierung über 5 Jahre ist aktuell wieder für unter 4% zu bekommen. Und die Zinsen werden in den nächsten Monaten weiter fallen. Man kann also für dieselbe monatliche Belastung eine größere Wohnung finanzieren, bekommt also “mehr Wohnung” für das gleiche Geld.
  • Mit den sinkenden Rohstoffpreisen (z.B. für Eisen, Kupfer, Stahl) sind auch die Baukosten insgesamt wieder gefallen. Ein neues Haus zu bauen, wird also günstiger.
  • Die in den vergangen Jahren extrem gestiegen Kosten für Heizöl, Gas und Strom befinden sich wieder auf dem Weg nach unten – bei den Wohnnebenkosten ist also 2009 mit einer sinkenden Kostenbelastung zu rechnen. Zudem sind die Benzinpreise in der Spitze von über EUR 1,60 pro Liter wieder auf runter EUR 1,10 gefallen.
  • Die Auswahl an attraktiven Neubau-Objekten gerade im Großraum München ist nach wie vor sehr groß (allein im Stadtgebiet von München mehr als 180(!) aktuelle Wohnbau-Projekte). Durch die allgemeine Kaufzurückhaltung bei größeren Anschaffungen (z.B. Auto, Immobilien) steigt die Verhandlungsposition von Immobilien-Interessenten gegenüber den Bauträgern. Abschläge auf den Listenpreis oder kostenfreie Extra-Ausstattungen sind also wesentlich besser durchzusetzen als in wirtschaftlichen Boomphasen.

In diesem Sinne ein frohes Weihnachtsfest!

Ihr
Florian Huber


Grundrisse: Zukunft des Wohnens

7 Dezember, 2008

Die Welt verändert sich – und auch die Art und Weise wie wir wohnen ist über die Jahrzehnte zwar einen langsamen, aber dennoch stetigem Wandel unterworfen. Auffälligste Veränderung ist der sog. Flächenbedarf pro Person. So standen 1950 jedem Einwohner nur 25 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung, heute ist diese Zahl auf 43 gestiegen und Prognosen gehen davon, dass in den nächsten 10 Jahren die durchschnittliche Wohnfläche pro Einwohner auf 50 Quadratmeter steigen wird.

Mit der zunehmenden Wohnfläche und Änderung der Lebensgewohnheiten der Menschen verändern sich nach und nach auch die Grundrisse und die Ansprüche an zeitgemäße Raumkonzepte. Ein Thema, welches vor allem für Käufer von Neubau-Wohnungen interessant sein dürfte, denn schließlich soll oder muss sich für das neuerworbene Eigenheim auch in Jahrzehnten noch ein Käufer finden.

Der bekannte Zukunftsforscher Matthias Horx sieht bei Wohnungsgrundrissen vier “Evolutionsstufen” (Quelle: Zukunftsletter, Dez. 2008, S. 4):

Grundriss 1.0: Vor 1900 lebte die Mehrzahl der Menschen (im Regelfall in Form einer Großfamilie) in Ein- oder Zwei-Zimmer-Wohnungen. Grundrisse waren von “Nischen” geprägt: Schlafnische, Kochnische, Waschnische.

Grundriss 2.0: Mit zunehmendem individuellen Wohlstand entstanden aus den Nischen Räume: Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche, Bad …. auch Kinder erhielten erstmals ihr eigenes Zimmer.

Grundriss 3.0: Diese klassische Aufteilung des Wohnraumes verlor in den letzen Jahren immer mehr an Bedeutung: Die Küche entwickelt sich zum offenen Wohn-/Essbereich, Bäder wurden größer und zu Räumen mit Aufenthaltsqualität, das klassische Wohnzimmer orientierte sich mit großflächigen Fenstern oder Wintergärten mehr Richtung Außenwelt.

Grundriss 4.0: Matthias Horx sieht den nächsten Evolutionsschritt in Form “individualisierter Wohn-Module”: Zukünftige Grundrisse werden dabei zu 100% an die Bedürfnisse der Bewohner orientiert sein, entsprechend der jeweiligen Lebenssituation und Lebensphase. Wohngrundrisse werden flexibel und leicht veränderbar sein. Als Raumteiler fungieren dabei nicht mehr starre Wände sondern flexible Lösungen. Sie lassen mit wenig Aufwand Änderungen. zu Bad und Schlafzimmer können so einem Intimitätsmodel verschmelzen, die Küche kann zu einem Ernährungs- und Kommunikationsmodul. Und wenn sich die Lebenssituation ändert (z.B. Geburt von Kindern, Bedarf für Home Office), können die einzelnen Module von den Bewohnern selbst neu zusammengestellt werden ohne dass es größere Umbaumaßnahmen bedarf.

Bauträger, Projektentwickler und Architekten sollten bei der Konzeption neuer Wohngrundrisse auf deren individuelle Veränderbarkeit achten. Die Individualisierung der Gesellschaft wird auch vor den zementierten Wohn-Gewohnheiten nicht halten machen.


Ab Freitag: Messe „Eigentum & Wohnen“ in München

9 April, 2008

An diesem Freitag ist es wieder soweit: Die Immobilien-Messe „Eigentum & Wohnen“ öffnet ihre Pforten. Bis einschließlich Sonntag können sich Immobilien-Interessierte rund um aktuelle Bauträger-Projekte, Finanzierungsfragen und Entwicklungen am Münchener Immobilienmarkt informieren. Die Veranstalter rechnen mit etwa 5.000 Besuchern. Veranstaltungsort ist die „Event-Arena“ auf dem Gelände des Olympia-Parks. Der Eintrittpreis beträgt 7,- Euro für Erwachsene. Einige Bauträger (z.B. JK Wohnbau) haben im Vorfeld „Freikarten“ an Kunden und Interessenten verschickt.

Die Messe öffnet am Freitag um 13.00 Uhr. Erfahrungsgemäß ist der Freitag-Nachmittag der Zeitraum mit dem geringsten Besucher-Andrang. Wer immer es sich einrichten kann, sollte deshalb am Freitag auf die Messe kommen, um sich in Ruhe informieren zu können.

Diesmal sind rund 20 Münchener Bauträger vor Ort, darunter die großen Anbieter wie Baywobau, Bayerische Hausbau, JK Wohnbau, Klaus Gruppe, Infraplan und Pöttinger. Allerdings sind im Großraum München zur Zeit insgesamt rund 60 Bauträger mit mehr als 250 Wohnbau-Projekten aktiv. Entgegen der Behauptung der Veranstalter bildet die Messe damit zwar nicht das „komplette Angebot“ ab, ein Besuch sollte sich aber alle mal lohnen.

Wer an diesem Wochenende keine Zeit kann, sei auf den 17. bis 19. Oktober 2008 verwiesen. Dann findet die nächste Eigentum & Wohnen statt.


Die Wohn-Immobilie als Kapitalanlage: 8 Argumente dafür, 8 Argumente dagegen

25 März, 2008

In Zeiten von Banken- und Finanzkrise rückt die eigene Wohn-Immobilie als Kapitalanlage wieder stärker in das Blickfeld. Aus Sicht von Bauträgern, Bausparkassen und Baufinanzierern ist eine Immobilie natürlich immer eine „gute“ Kapitalanlage… Teilweise wird sogar in Anzeigen-Kampagnen ausdrücklich die generelle Überlegenheit der Immobilie gegenüber einer Anlage in Aktien oder Aktienfonds behauptet. Doch die Wirklichkeit ist komplizierter. So gibt es einige Argumente, die für die Immobilie sprechen, aber natürlich auch einige dagegen.

Argumente dafür:

  1. Diversifikation innerhalb der eigenen Vermögensanlage
  2. Schutz in wirtschaftlichen Krisenzeiten: Raum zum Wohnen wird immer benötigt; ein lebenswichtiges Gut, wie Luft, Wasser, Nahrung
  3. Im Regelfall Wertstabilität (zumindest bei Lage innerhalb eines wirtschaftlich prosperierenden Großraumes wie z.B. München, Hamburg, Stuttgart)
  4. Inflationsschutz, da Anlage in Sachwerten
  5. Nachfrage nach zeitgemäßen (und v.a. energieeffizienten) Wohnraum nimmt trotz der demographischen Entwicklung stetig zu
  6. internationaler Vergleich: In Deutschland immer noch niedriges Preisniveau im Vergleich zu Großräumen wie London, Paris oder Barcelona
  7. Immobilie kann im Alter selbst genutzt werden: Schutz vor steigenden Mieten und Vermieter-Willkür
  8. psychologischer Effekt: Langfristige Verpflichtung zur Zahlung von Zins und Tilgung (meist über 10 oder 15 Jahre) führt zu größeren Sparanstrengungen in der Gegenwart -> Statistik beweist, dass Haushalte mit Immobilien-Eigentum im Alter vermögender sind, als vergleichbare Haushalte ohne Immobilien-Eigentum

Argumente dagegen:

  1. relativ hohes Risiko durch Mietausfall, Leerstand, Vandalismus des Mieters, versteckte Baumängel
  2. mieterfreundliche Gesetzgebung und Rechtssprechung (z.B. beim Kündigungsschutz, Umlegung von Renovierungskosten)
  3. hohe laufende Kosten, die nicht auf den Mieter umgelegt werden können (z.B. Hausverwaltung, Kosten für Instandhaltungsrücklage am Sonder- und Gemeinschaftseigentum)
  4. kaum steuerliche Anreize: keine degressive Abschreibung mehr (seit 2006 nur noch lineare Abschreibung in Höhe von 2% auf den Gebäudeanteile)
  5. geringe Fungibilität der Anlage: Verkauf der Immobilie dauert im Regelfall 6 bis 12 Monate
  6. hohe Transaktionskosten (bis zu 10%: Notargebühren, Grunderwerbsteuer, Registergebühren, Maklerprovision) –> müssen erstmal rein-verdient werden : bei Verkauf innerhalb der ersten 10 Jahre meist ein Verlustgeschäft
  7. nur geringe Chancen auf Wertsteigerungen (demographische Entwicklung, rückläufige bzw. stagnierende Reallöhne), in unattraktiven Lagen: Risiko des Wertverlustes (bis hin zur Unverkäuflichkeit)
  8. hoher Verwaltungsaufwand: jährliche Nebenkosten-Abrechnung, laufende Reparaturarbeiten, Teilnahme an Eigentümer-Versammlungen, Mieterwechsel, teilweise aufwändige Nachweispflichten gegenüber Finanzbehörden